Wie funktioniert ein Kreditnehmerwechsel?

Das Wichtigste auf einen Blick

  • Ein Kreditnehmerwechsel ist nur mit Zustimmung der Bank möglich.
  • Banken stimmen in der Regel zu, wenn die Bonität und vorhandene Sicherheiten des neuen Kreditnehmers zumindest gleichwertig sind.
  • Es gibt keinen rechtlichen Anspruch auf einen Kreditnehmerwechsel.

Kann man eine Kreditrückzahlung auf eine andere Person übertragen? Grundsätzlich ist das möglich, aber nicht bei jedem Kredit und nicht bei jedem Anbieter. Ein sogenannter Kreditnehmerwechsel setzt immer die Zustimmung der Bank voraus und ist meist an bestimmte Voraussetzungen gebunden.

Was ist ein Kreditnehmerwechsel oder Schuldnertausch?

Bei einem Kreditnehmerwechsel wird ein laufender Kredit von einer Person auf eine andere übertragen. Rechtlich spricht man dabei von einer Schuldübernahme, weil sich der Vertragspartner der Bank ändert.

Der neue Kreditnehmer übernimmt den Kredit mit der verbleibenden Restschuld, den vereinbarten Raten und allen weiteren Vertragsbedingungen. In manchen Fällen können Bank und neuer Kreditnehmer auch Anpassungen vereinbaren, etwa bei Laufzeit oder Rate.

Warum ist Kreditnehmerwechsel rechtlich relevant?

Bei einem Kreditnehmerwechsel wird eine andere Person Vertragspartner für den Kredit und damit für die Rückzahlung verantwortlich. Rechtlich spricht man in Österreich meist von einer befreienden Schuldübernahme. Dabei wird der bisherige Kreditnehmer mit Zustimmung der Bank aus der Haftung entlassen.

Wenn die neue Person ihren Zahlungsverpflichtungen nicht nachkommt, kann die Bank grundsätzlich nur noch gegen den neuen Kreditnehmer vorgehen.

Was passiert bei einem Kreditnehmerwechsel mit Sicherheiten?

Sicherheiten verringern für die Bank das Risiko eines Zahlungsausfalls. Deshalb verlangt die Bank bei einem Schuldnerwechsel in der Regel Sicherheiten, die zumindest gleichwertig sind.

Erfolgt der Kreditnehmerwechsel im Zusammenhang mit dem Verkauf einer Immobilie oder eines Fahrzeugs, bleiben bestehende Sicherheiten grundsätzlich bei der Bank. Bei Immobilienfinanzierungen kann es notwendig sein, Eintragungen im Grundbuch anzupassen. Dadurch können zusätzliche Kosten entstehen.

Gut zu wissen

Bürgschaft bei Kreditnehmerwechsel nicht übertragbar

Bürgschaften müssen bei einem Kreditnehmerwechsel meist neu vereinbart werden, da sie in der Regel auf eine bestimmte Kreditverpflichtung und Person abgestimmt sind. Ob eine bestehende Bürgschaft übernommen werden kann, hängt vom Einzelfall und von der Zustimmung der Bank ab.

Gründe für einen Kreditnehmerwechsel

Ein Kreditnehmerwechsel kommt meist infrage, wenn sich die persönliche oder finanzielle Situation deutlich verändert. Das kann unerwartet passieren, etwa durch Jobverlust oder Krankheit, oder im Rahmen geplanter Veränderungen wie einer Trennung oder einer Vermögensnachfolge.

  • Veränderte finanzielle Situation

    Sinkt das Einkommen spürbar, zum Beispiel durch Arbeitslosigkeit oder eine längere Krankheit, kann es sinnvoll sein zu prüfen, ob ein Kredit auf eine andere zahlungsfähige Person übertragen werden kann – vorausgesetzt, die Bank stimmt zu. Um für solche Situationen vorzusorgen, besteht bei manchen Krediten die Möglichkeit, eine Kreditrestschuldversicherung abzuschließen. Je nach Anbieter kann diese bei bestimmten Ereignissen wie Arbeitslosigkeit, Arbeitsunfähigkeit oder anderen definierten Risiken unterstützen. Welche Leistungen konkret enthalten sind, hängt vom jeweiligen Versicherungsvertrag ab.

    Um für solche Situationen schon im Vorfeld gewappnet zu sein, ist es möglich, zusammen mit dem Kredit eine Restkreditversicherung wie Credit-Schutz von der faire Credit abzuschließen.

  • Trennung oder Scheidung

    Trennen sich Partner und übernimmt eine Person eine gemeinsam finanzierte Immobilie oder ein Fahrzeug alleine, kann ein Kreditnehmerwechsel helfen, die Verantwortlichkeiten klar zu regeln – sofern die Bank zustimmt.

  • Verkauf einer Immobilie oder eines Fahrzeugs 

    Wird eine Immobilie oder ein Fahrzeug verkauft, obwohl der Kredit noch läuft, kann im Einzelfall eine Kreditübernahme durch den neuen Eigentümer möglich sein. Voraussetzung ist in der Regel die Zustimmung der Bank sowie eine ausreichende Bonität des neuen Kreditnehmers.

  • Unternehmens- oder Vermögensnachfolge

    Bei der Übergabe einer Immobilie, eines Unternehmens oder von Vermögenswerten kann unter Umständen auch der dazugehörige Kredit übertragen werden. Auch hier ist eine Zustimmung der Bank erforderlich und es erfolgt eine Prüfung der Bonität des neuen Kreditnehmers.

Wichtig

Es gibt keinen gesetzlichen Anspruch auf einen Kreditnehmerwechsel

Der Wunsch nach einem Kreditnehmerwechsel allein reicht nicht aus. Auch wenn sich alle Beteiligten einig sind, ist er nur mit Zustimmung der Bank möglich. Die Bank prüft dabei vor allem die Bonität des neuen Kreditnehmers und entscheidet, ob sie der Schuldübernahme zustimmt.

Anforderungen an den neuen Kreditnehmer

  • Ausreichende Bonität

    Die Prüfung der Kreditwürdigkeit des neuen Kreditnehmers fällt positiv aus.

  • Regelmäßiges Einkommen

    Der neue Kreditnehmer kann ein regelmäßiges Einkommen nachweisen.

  • Wohnsitz in Österreich

    Der neue Kreditnehmer ist unter einem festen Wohnsitz in Österreich gemeldet.

  • Österreichisches Bankkonto

    Der neue Kreditnehmer besitzt ein Konto bei einer Bank in Österreich.

  • Gültiger Ausweis

    Der neue Kreditnehmer besitzt einen gültigen Personalausweis oder Reisepass.

  • Volljährigkeit

    Der neue Kreditnehmer muss älter als 18 Jahre sein.

So läuft ein Kreditnehmerwechsel ab

Ein Kreditnehmerwechsel erfolgt in mehreren Schritten und dauert in der Regel zwischen zwei und acht Wochen. Zunächst klären der bisherige und der neue Kreditnehmer gemeinsam, ob die Kreditübernahme gewünscht ist. Besteht Einigkeit, wird die Bank in den Prozess einbezogen.

Anschließend prüft die Bank die Bonität des neuen Kreditnehmers. Dabei wird festgestellt, ob dieser finanziell in der Lage ist, den Kredit zuverlässig weiter zurückzuzahlen. Fällt die Bonitätsprüfung positiv aus, passt die Bank den Kreditvertrag rechtlich an. Der Kredit wird auf den neuen Kreditnehmer umgeschrieben. In diesem Schritt können – falls erforderlich – auch Konditionen wie Laufzeit oder Rate neu vereinbart werden.

Mit der Vertragsänderung ist der Schuldnertausch abgeschlossen. Ab diesem Zeitpunkt übernimmt der neue Kreditnehmer die Rückzahlung. Der bisherige Kreditnehmer ist nicht mehr für den Kredit verantwortlich.

Gut zu wissen

Kosten des Kreditnehmerwechsels

Ein Kreditnehmerwechsel ist nicht immer kostenlos. Manche Banken erheben eine Bearbeitungsgebühr für die Prüfung und Vertragsänderung. Handelt es sich um einen Immobilienkredit, können zusätzlich Notar- und Grundbuchkosten anfallen, etwa für die Änderung der Grundschuld. Diese Kosten können mehrere hundert bis tausend Euro betragen.

Kann die Bank einen Kreditnehmerwechsel ablehnen?

Ein Kreditnehmerwechsel ist eine freiwillige Entscheidung der Bank. Sie kann den Antrag ablehnen, wenn er nicht in ihrem Interesse ist. Wichtig ist dabei das Risiko eines Zahlungsausfalls. Wenn der neue Kreditnehmer weniger Einkommen oder bereits hohe Schulden hat, steigt das Risiko. Dann lehnt die Bank meist ab, dass der Kredit auf die andere Person übertragen wird.

Wenn sich die finanzielle Lage des alten Kreditnehmers verschlechtert hat, kann der Wechsel aber auch vorteilhaft für die Bank sein. Ein neuer, zahlungskräftiger Kreditnehmer verringert dann das Risiko eines Zahlungsausfalls.

Alternativen zu einem Kreditnehmerwechsel

  • Umschuldung auf einen neuen Kredit

    Statt eines Kreditnehmerwechsels kann der neue Kreditnehmer einen eigenen Kredit aufnehmen und damit den bestehenden Kredit vollständig ablösen. Das kann günstiger sein, wenn keine Vorfälligkeitsentschädigung oder Vorfälligkeitskosten anfallen und keine Vertragsänderungskosten entstehen. Zudem können unter Umständen bessere Konditionen möglich sein. Fallen jedoch Vorfälligkeitskosten an, rechnet sich diese Lösung häufig nicht.

  • Gemeinsame Haftung als Mitkreditnehmer

    Wenn ein Kreditnehmerwechsel nicht möglich ist, kann eine zweite Person als Mitkreditnehmer in den bestehenden Kreditvertrag aufgenommen werden. Beide haften dann gemeinsam für den Kredit. Das bedeutet: Sie bleiben weiterhin voll verantwortlich. Zahlt die andere Person nicht, kann die Bank die gesamte Rate oder den gesamten offenen Kreditbetrag von Ihnen verlangen. Haben Sie den Kredit alleine bedient, können Sie grundsätzlich versuchen, den entsprechenden Anteil vom Mitkreditnehmer zurückzufordern.

  • Vertragsfortführung ohne Wechsel

    In manchen Fällen ist es sinnvoller, den Kredit ohne Vertragsänderung weiterzuführen. Bei finanziellen Engpässen kann eine Anpassung der Rate oder der Laufzeit helfen. Alternativ kann eine andere Person die Kreditraten informell übernehmen, während Sie weiterhin Kreditnehmer bleiben. Diese Lösung erfordert großes Vertrauen: Kommt die andere Person ihrer Zahlung nicht nach, haften Sie weiterhin gegenüber der Bank. Ansprüche gegenüber der anderen Person müssten gegebenenfalls zivilrechtlich geltend gemacht werden.

FAQ: Häufige Fragen zum Kreditnehmerwechsel

  • Wann erlaubt die Bank einen Schuldnertausch?

    Ein Kreditnehmerwechsel wird von Banken meist nur im Einzelfall und auf freiwilliger Basis ermöglicht. Er kommt infrage, wenn sich das Ausfallrisiko für die Bank nicht erhöht. Voraussetzung ist daher, dass der neue Kreditnehmer zumindest eine vergleichbare Kreditwürdigkeit wie der bisherige Kreditnehmer aufweist. Ein rechtlicher Anspruch auf einen Kreditnehmerwechsel besteht nicht.

  • Welche Voraussetzungen muss der neue Kreditnehmer erfüllen?

    Die Voraussetzungen für einen Kreditnehmerwechsel sind grundsätzlich ähnlich wie bei einer neuen Kreditvergabe. Typische Anforderungen sind:

    • Volljährigkeit
    • Eine positiv ausfallende Bonitätsprüfung
    • Ein nachweisbares regelmäßiges Einkommen
    • Ein nachweisbarer Wohnsitz
    • Ein gültiger Identitätsnachweis (z. B. Reisepass oder Personalausweis)
    • Ein Konto bei einem Kreditinstitut im SEPA-Raum
    • Wie lange dauert es, einen Kredit auf eine andere Person zu übertragen?

      Ein Kreditnehmerwechsel kann – je nach Kreditart und Bank – mehrere Wochen dauern. Bei Konsum- oder Ratenkrediten erfolgt die Abwicklung häufig schneller, während sie bei Immobilienfinanzierungen länger dauern kann. Das liegt unter anderem daran, dass bei Immobilienfinanzierungen häufig Anpassungen im Grundbuch erforderlich sind und zusätzliche rechtliche Schritte notwendig sein können.

    • Wer haftet nach dem Schuldnertausch?

      Bei einer befreienden Schuldübernahme haftet der neue Kreditnehmer vollständig für den Kredit. Die Person, die den Kredit ursprünglich aufgenommen hat, wird – sofern die Bank zustimmt – aus der Haftung entlassen.

    • Welche Kosten können bei Kreditnehmerwechsel entstehen?

      Bei Konsum- oder Ratenkrediten kann ein Kreditnehmerwechsel mit keinen oder nur geringen Kosten verbunden sein. Manche Banken verrechnen jedoch eine Bearbeitungsgebühr für die Prüfung und Vertragsänderung. Die konkrete Höhe hängt vom jeweiligen Kreditinstitut und vom Aufwand ab.