Was ist eine Bürgschaft?
Das Wichtigste auf einen Blick
- Eine Bürgschaft bedeutet: Sie haften für jemand anderen, wenn diese Person nicht zahlen kann.
- Häufig bürgen bei Krediten oder Mietverträgen die Partner oder Eltern.
- In Österreich hängt der Schutz für private Bürgen stark vom Einzelfall und der Vertragsgestaltung ab.
Eine Bürgschaft bedeutet, dass eine Person für die Schulden einer anderen haftet. Zahlt der Schuldner nicht, kann der Gläubiger den Bürgen zur Zahlung auffordern. Bürgschaften werden oft bei Krediten genutzt und werden in der Praxis meist schriftlich vereinbart. Der Bürge haftet – je nach Vertragsgestaltung – auch mit seinem Vermögen und Einkommen. Besonders riskant ist die selbstschuldnerische Bürgschaft, ohne zuvor den Hauptschuldner belangen zu müssen.
Was ist eine Bürgschaft?
Ob Mietvertrag, Kredit oder Handyvertrag – manchmal reicht die Bonität des Antragstellers nicht aus und es wird eine zusätzliche Sicherheit verlangt. In solchen Fällen kommt eine Bürgschaft ins Spiel. Dabei erklärt sich eine dritte Person, der sogenannte Bürge, vertraglich bereit, für die Zahlungsverpflichtungen einer anderen Person einzustehen. Kann der eigentliche Vertragspartner nicht zahlen, übernimmt der Bürge die Verpflichtungen. Ein typisches Beispiel ist die Elternbürgschaft, etwa bei einem Mietvertrag.
Bei einer Bürgschaft sind drei Beteiligte im Spiel:
- Hauptschuldner: zum Beispiel Mieter oder Kreditnehmer
- Bürge: übernimmt im Notfall die Zahlungsverpflichtung
- Gläubiger: zum Beispiel Vermieter oder Bank, der die Sicherheit verlangt
Verschiedene Arten der Bürgschaft
Bei einer selbstschuldnerischen Bürgschaft kann der Gläubiger den Bürgen sofort zur Zahlung auffordern. Er muss nicht erst versuchen, das Geld vom Hauptschuldner zu bekommen.
Bei einer Ausfallbürgschaft ist das anders. Hier springt der Bürge erst ein, wenn feststeht, dass der Hauptschuldner nicht zahlen kann.
Eine weitere Form ist die Mietkautionsbürgschaft. Sie ersetzt die Kaution in bar, wenn jemand eine Wohnung mietet. Statt Geld zu hinterlegen, stellt zum Beispiel eine Bank eine Bürgschaftsurkunde aus. Alle wichtigen Punkte stehen in der Bürgschaftserklärung. Das ist ein Vertrag, in dem genau geregelt ist, wer im Ernstfall zahlt und in welcher Höhe.
Selten genutzte Bürgschaftsarten
Wann ist eine Bürgschaft sinnvoll?
Eine Bürgschaft wird meist dann relevant, wenn dem Hauptschuldner Sicherheiten fehlen, zum Beispiel bei Auszubildenden oder Studierenden. In diesen Fällen kann eine Bürgschaft helfen, Vertrauen zu schaffen und Verträge überhaupt erst möglich zu machen.
Bei Kreditverträgen oder Finanzierungen
Wer einen Kredit aufnehmen möchte, aber selbst nicht über eine ausreichende Bonität verfügt, kann mit einer Bürgschaft nachhelfen. Ein nahestehender Bürge – zum Beispiel ein Elternteil oder Partner – erhöht durch seine Bonität die Chance auf eine Zusage.
Bei der Wohnungssuche
Viele Vermieter fordern eine Bürgschaft, wenn der Mieter ein unsicheres oder geringes Einkommen hat. Besonders verbreitet ist die Elternbürgschaft für die Miete, bei der Eltern die Verantwortung übernehmen, falls das Kind nicht zahlen kann. Sie erleichtert den Einstieg in den Wohnungsmarkt besonders in Großstädten.
Als Alternative zur Mietkaution
Statt mehrere Monatsmieten auf ein Kautionskonto zu überweisen, lässt sich die Mietkaution auch über eine Mietkautionsbürgschaft absichern.
In diesem Fall übernimmt zum Beispiel eine Bank oder Versicherung die Rolle des Bürgen. Das bedeutet: Sie stellt dem Vermieter eine offizielle Bürgschaftsurkunde aus. Damit versichert sie, dass sie im Schadensfall – zum Beispiel bei Mietrückständen oder Schäden an der Wohnung – den offenen Betrag übernimmt.
Der Mieter muss in diesem Fall keine große Geldsumme hinterlegen, sondern zahlt stattdessen eine kleine jährliche Gebühr an die Bank oder Versicherung.
| Barkaution |
Mietkautionsbürgschaft |
|
|---|---|---|
| Höhe der Kaution | 3 Monatskaltmieten | 0 € Kautionszahlung |
| Zahlungsart | Einmalige Hinterlegung | Jährliche Gebühr |
| Vorteil | Hohe Sicherheit für den Vermieter | Mehr finanzielle Flexibilität beim Einzug für den Mieter |
| Nachteil | Geld ist für die Mietdauer gebunden | Zusätzliche, laufende Kosten während der Miete |
Rechte, Pflichten und Risiken eines Bürgen
Wenn Sie für jemanden eine Bürgschaft übernehmen, ist das ein großer Vertrauensbeweis, aber auch eine ernste Verpflichtung. Wer bürgt, trägt Verantwortung. Deshalb lohnt es sich, die Rechte, Pflichten und Risiken der einzelnen Situation genau zu prüfen.
Pflichten eines Bürgen
Je nach Art der Bürgschaft kann der Bürge unterschiedlich schnell zur Zahlung verpflichtet werden. Bei einer selbstschuldnerischen Bürgschaft darf der Gläubiger den Bürgen sofort zur Zahlung auffordern, sobald der Hauptschuldner nicht zahlt.
Rechte des Bürgen
Auch als Bürge haben Sie bestimmte Rechte. Haben Sie für den Hauptschuldner gezahlt, können Sie das Geld im Nachhinein von ihm zurückfordern. Außerdem haben Sie das Recht, Einsicht in relevante Verträge und Bonitätsunterlagen zu erhalten.
Unterschiede bei den Bürgschaftsformen
Bei einer Ausfallbürgschaft haftet der Bürge erst dann, wenn der Hauptschuldner zahlungsunfähig ist und der Gläubiger dies nachweisen kann. Bei einer selbstschuldnerischen Bürgschaft hingegen kann der Gläubiger den Bürgen sofort in Anspruch nehmen, ohne vorher andere Schritte einleiten zu müssen.
Risiken des Bürgen
Eine Bürgschaft ist oft ein Zeichen von Vertrauen. Dennoch sollten die möglichen Folgen nicht unterschätzt werden. Wer eine Bürgschaft übernimmt, trägt eine langfristige finanzielle Verantwortung und sollte sorgfältig prüfen, ob er diese im Ernstfall leisten kann.
Kann der Bürge selbst nicht zahlen, drohen unter anderem negative Einträge bei Wirtschaftsauskunfteien (z. B. KSV1870 oder CRIF), was die Kreditwürdigkeit beeinträchtigen kann. Zudem können finanzielle Belastungen entstehen, die sich über viele Jahre hinziehen, etwa durch Ratenzahlungen oder Schuldenregulierungen. Gerade bei Bürgschaften innerhalb der Familie kommen häufig auch emotionale Konflikte hinzu, die das persönliche Verhältnis belasten können.
5 Tipps für Bürgen: Das sollten Sie vorab prüfen
Wer eine Bürgschaft übernimmt, trägt eine große Verantwortung. Deshalb ist es wichtig, sich gut vorzubereiten und die Entscheidung bewusst zu treffen. Die folgenden Punkte helfen Ihnen, die Risiken realistisch einzuschätzen:
1. Verstehen, was Sie unterschreiben
Lesen Sie die Bürgschaftserklärung sorgfältig durch. Achten Sie besonders auf Formulierungen wie „selbstschuldnerische Bürgschaft“ oder „unbefristet“. Holen Sie sich bei Unsicherheiten rechtlichen Rat, zum Beispiel bei einer Rechtsberatung oder Konsumentenschutzstelle.
2. Eigene finanzielle Lage prüfen
Überlegen Sie ehrlich, ob Sie im Ernstfall zahlen könnten, ohne selbst in finanzielle Schwierigkeiten zu geraten. Planen Sie dabei realistisch und langfristig.
3. Auf eine Höchstgrenze bestehen
Stellen Sie sicher, dass im Vertrag eine klare Haftungsgrenze festgelegt ist. So wissen Sie genau, bis zu welchem Betrag Sie im schlimmsten Fall haften.
4. Laufzeit und Kündigung klären
Informieren Sie sich darüber, wie lange die Bürgschaft gilt und ob eine Kündigung oder ein vorzeitiger Ausstieg möglich ist, falls sich Ihre Lebensumstände ändern.
5. Mündliche Absprachen reichen nicht aus
Auch bei Bürgschaften für Familie oder Freunde sollten Absprachen zu Rückzahlung und Verantwortung möglichst schriftlich festgehalten werden. Das schafft Klarheit und beugt späteren Konflikten vor.
FAQ: Häufige Fragen zur Bürgschaft
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Was passiert, wenn der Hauptschuldner nicht mehr zahlen kann?
Kann der Hauptschuldner seine Zahlungsverpflichtungen nicht erfüllen, kann der Bürge zur Zahlung herangezogen werden. Der Bürge übernimmt dann die offene Schuld ganz oder teilweise.
Wann genau der Bürge zahlen muss, hängt von der vereinbarten Bürgschaftsform ab. Bei einer selbstschuldnerischen Bürgschaft kann der Gläubiger den Bürgen sofort in Anspruch nehmen, sobald der Hauptschuldner nicht zahlt. Bei einer Ausfallbürgschaft haftet der Bürge erst dann, wenn der Zahlungsausfall des Hauptschuldners nachgewiesen ist und andere Einziehungsversuche erfolglos geblieben sind.
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Kann ich eine Bürgschaft kündigen?
Eine Bürgschaft kann man nicht einfach so kündigen. Das ist nicht erlaubt, weil es sich um einen verbindlichen Vertrag handelt.
In der Regel kann eine Bürgschaft nur dann beendet werden, wenn bestimmte Bedingungen erfüllt sind. Zum Beispiel: Wenn der Vertrag, für den die Bürgschaft abgeschlossen wurde, offiziell zu Ende ist. Oder wenn alle Schulden und offenen Forderungen vollständig bezahlt wurden.
Solange das nicht passiert ist, bleibt die Bürgschaft bestehen und der Bürge haftet weiterhin für die Schulden, falls der Hauptschuldner nicht zahlen kann.
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Wie funktioniert eine Mietkautions-Bürgschaft?
nstatt eine Kaution direkt in bar zu zahlen, kann man eine Bürgschaft nutzen. Dabei stellt zum Beispiel eine Bank oder eine Versicherung eine Urkunde aus, in der sie verspricht, im Notfall für den Betrag einzustehen. Sie zahlen dafür einen monatlichen Betrag an die Bank oder Versicherung.
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Was ist eine Elternbürgschaft bei der Wohnungssuche?
Wenn ein Kind noch kein eigenes Einkommen hat oder das Einkommen in der Ausbildung oder im Studium nur gering ausfällt, können die Eltern eine Bürgschaft übernehmen. Das bedeutet: Sie versprechen, die Miete zu zahlen, falls das Kind das einmal nicht kann.
Mit so einer Elternbürgschaft ist es oft leichter, eine Wohnung zu bekommen, weil der Vermieter sicher sein kann, dass die Miete zuverlässig bezahlt wird.
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